Viele Menschen verbinden mit der Wurzelkanalbehandlung Schmerzen und andere unangenehme Erfahrungen. Allein die Vorstellung, dass Wurzelkanäle existieren und behandelt werden müssen löst bei vielen schon Unbehagen aus. Das sollte jedoch nicht so sein. Die Wurzelbehandlung ist nämlich ein modernes und zuverlässiges Verfahren, mit dem wir in der Lage sind, einen toten Zahn zu erhalten und ihn für viele weitere Jahre nutzbar zu machen. Wir sind der festen Überzeugung, dass eine ausführliche Aufklärung über die Zahnwurzelbehandlung viele Ängste und Vorurteile aus dem Weg räumen kann, weshalb Sie im Folgenden alles über die Wurzelbehandlung lernen werden, was es zu wissen gibt.

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1. Wurzelbehandlung: Was ist das überhaupt?

Die Wurzelkanalbehandlung ist eine zahnmedizinische Konservierungsmaßnahme. Ziel der Wurzelbehandlung ist die “Rettung” bzw. der Erhalt eines Zahnes mit einer entzündeten oder abgestorbenen Pulpa (Zahnnerv). Dafür wird der Wurzelkanal mit speziellen Instrumenten von Bakterien befreit und anschließend mit einer Füllung abgedichtet. Nach einer erfolgreichen Behandlung ist der Zahn für viele weitere Jahre voll funktionsfähig.
 

2. Warum tritt eine Entzündung des Zahnnervs auf?

entzuendeter-zahnnervJeder Zahn besitzt Wurzelkanäle, durch die der Zahnnerv verläuft, welcher den Zahn mit lebenswichtigen Odontoblasten (Körperzellen) versorgt. Aus diesen Körperzellen wird das Dentin (Zahnhartsubstanz) hergestellt. Eine Entzündung des Zahnnervs tritt häufig durch eine spät erkannte oder unbehandelte Karieserkrankung auf.

Die Karies entsteht durch Bakterien, welche sich von Zucker ernähren und diesen in Form von schädlichen Säuren verstoffwechseln. Diese greifen wiederum den Zahnschmelz an und fressen sich im schlimmsten Fall durch den Zahn bis zum Zahnnerv vor. Durch das entstandene Loch können dann Bakterien eindringen, die zu einer Entzündung des Zahnnervs führen (periradikuläre Parodontitis).

Der freiliegende Nerv ist extrem empfindlich, weshalb er bei einer Reizung (z.B. durch Kälte oder Wärme) starke Schmerzen verursachen kann. Stirbt er infolge der Infektion ab, ist der gesamte Zahn tot. In seltenen Fällen ist die Entzündung auf eine Verletzung zurückzuführen, wie z. B. einem Schlag auf den Kieferknochen, infolgedessen der Zahnnerv abstirbt. Auch ein abgebrochener Zahn, bei dem der Nerv freiliegt, birgt ein Entzündungsrisiko, genauso wie schräg wachsende Weisheitszähne, die auf die Zahnwurzel des Nachbarzahns drücken.
 

3. Wann ist eine Wurzelbehandlung notwendig?

Sobald Sie feststellen, dass Ihre Zähne empfindlich auf Kälte/Wärme oder Druck reagieren, sind das ernstzunehmende Symptome. Oftmals erfolgt eine Wurzelbehandlung am Backenzahn oder den Schneidezähnen, da sich an diesen Orten besonders häufig Karies bildet. Grundsätzlich gilt, dass sobald Sie Schmerzen empfinden und Ihre Gesundheit bedroht ist, eine Behandlung erfolgen muss.
 

4. Symptome für eine Zahnwurzelerkrankung

Die Symptome für eine Erkrankung des Zahnwurzelkanals äußern sich meist in mehreren Stufen. Anfangs verspüren die meisten leichte Zahnschmerzen und ignorieren diese, weil sie nicht allzu störend oder auffällig sind. Darauf folgt aber schnell die bereits erwähnte Empfindlichkeit gegenüber heißen/kalten Getränken und Speisen. Auch Süßes kann eine Reizung des Zahnnervs verursachen.

Das Kauen fällt anschließend aufgrund der erhöhten Druckempfindlichkeit immer schwerer und resultiert meist in pochenden Schmerzen. Die Entzündung hat sich nun auch auf den Kieferknochen ausgedehnt und zeigt sich in Form einer geschwollenen Wange. In diesem Fall sollten Sie Ihre Wange mit einem Eisbeutel kühlen und umgehend einen Zahnarzt aufsuchen.
 

5. Ablauf einer Wurzelbehandlung

 

5.1. Beratung

Die Beratung dient dazu Ihren Fall zu beurteilen und eine angemessene Vorgehensweise zu planen. Zudem werden Sie über mögliche Risiken und den genauen Verlauf der Behandlung aufgeklärt.

5.2. Karies entfernen

Bevor die Behandlung beginnt wird eine lokale Betäubung durchgeführt. Anschließend entfernt der Zahnarzt die kariösen Bereiche mit einem Bohrer und bohrt mittig auf der Kaufläche ein Loch, um die Wurzelkanäle zugänglich zu machen.

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5.3. Gewebe beseitigen

In diesem Schritt werden die Wurzelkanäle sorgfältig von infiziertem Gewebe und Bakterien befreit. Dazu verwendet der Zahnarzt eine Feile und eine antibakterielle Lösung, um die Kanäle gründlich auszuspülen. Gleichzeitig werden in regelmäßigen Abständen Röntgenaufnahmen angefertigt, um die Zahnlänge zu bestimmen und den Status der Behandlung zu beurteilen.

Am Ende dieses Schritts ist der Zahn vollständig ausgehöhlt. Je nachdem wie umfangreich die Infektion ist, wird dieser Schritt in einer oder mehreren Sitzungen durchgeführt. In diesem Fall wird der Zahn mit einer Einlage zwischen versorgt.

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5.4. Wurzelkanal abdichten

Nachdem die Wurzelkanäle vollständig von Bakterien und infiziertem Gewebe befreit wurden, werden sie Füllungsmaterial abgedichtet. Dies sollte ein erneutes Eindringen von Bakterien verhindern. Häufig wird der Zahn noch überkront, um eine möglichst langfristige Erhaltung des Zahnes zu gewährleisten.

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6. Wie lang dauert eine Wurzelbehandlung?

Die Dauer der Wurzelbehandlung wird von verschiedenen individuellen Faktoren beeinflusst. Es stellt sich zunächst die Frage, ob eine Erst- oder Revisionsbehandlung durchgeführt wird. Bei einer Revisionsbehandlung werden bereits behandelte Zähne aufgrund von einer mangelhaften Füllung oder einem übersehenen Wurzelkanal erneut behandelt.

Des Weiteren beeinflussen die Art der Instrumente, die Behandlungsmethoden sowie das Ausmaß der Infektion die Dauer ebenfalls. Erfahrungsgemäß dauert eine Behandlung dadurch etwa 60 Minuten, welche häufig auf zwei Termine a 30 Minuten aufgeteilt werden.
 

7. Schmerzen bei der Behandlung

Viele Patienten verbinden mit einem Bohrer unweigerlich Schmerzen. Doch kein Grund zur Sorge: die lokale Betäubung verhindert jegliche Art von Schmerzempfinden während der Behandlung. Sollten Sie aus irgendeinem Grund dennoch Schmerzen verspüren, können Sie dies mit einem Handzeichen signalisieren und die Behandlung wird sofort abgebrochen.

Manche Patienten hören auch gerne Musik, um sich vom Eingriff abzulenken. Einige Praxen bieten zudem die Sedierung mit Lachgas an, welches die Schmerzempfindlichkeit abschwächt und entspannend wirkt.
 

8. Heilungsprozess

Die Dauer der Heilung nach einer Wurzelbehandlung ist relativ kurz. Grundsätzlich gilt, dass ein Zahn nach der Wurzelbehandlung wieder normal belastet werden kann, solang die Zahnkrone erfolgreich restauriert wurde.

Wir empfehlen dennoch einige Dinge zu beachten: Solang die Betäubung anhält sollten Sie heiße Speisen und Getränke mit Vorsicht genießen, da man Gefahr läuft die Temperatur falsch einzuschätzen und sich zu verbrühen.

Warten Sie sicherheitshalber bis die Narkose abgeklungen ist. Auch das Solarium sowie die Sauna und direkte Sonneneinstrahlung, sollten vorerst vermieden werden. Ein wurzelbehandelter Zahn ist zudem nicht so stabil wie ein normaler Zahn, weshalb Sie harte Nahrungsmittel wie z.B. Nüsse vorsichtig verzehren sollten. Sportliche Aktivitäten können Sie nach der Behandlung hingegen bedenkenlos wieder aufnehmen.
 

9. Schmerzen nach der Wurzelbehandlung

Einige Patienten klagen nach der Behandlung über Schmerzen und sind deshalb verunsichert. Das ist in der Regel jedoch normal und gehört zum Heilungsprozess. Hingegen sind immer stärker werdende Schmerzen, die sich nicht mehr aushalten lassen, nicht normal.

Dies kann jedoch verschiedene Ursachen haben. Zum einen könnte es sein, dass der Zahn unter der Belastung der Operation gebrochen ist und auf das Zahnfleisch drückt. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass ein Entzündungsbereich nicht erkannt und behandelt wurde oder dass ein benachbarter Zahn erkrankt ist. In jedem Fall sollten Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen.

Zahnschmerzen

10. Kosten einer Wurzelkanalbehandlung

Die Kosten einer Wurzelkanalbehandlung setzen sich aus vielerlei Faktoren zusammen. Im Vordergrund steht jedoch der Umfang und die Komplexität des jeweiligen Eingriffs. Die gesetzlichen Krankenkassen (AOK, TK, BARMER etc.) gewähren meist einen Festzuschuss von etwa 300€, welcher jedoch an einige Voraussetzungen geknüpft ist.

Dazu zählt, dass der Zahn als erhaltungswürdig eingestuft werden muss. Das bedeutet, dass eine große Wahrscheinlichkeit bestehen muss, dass der Zahn mit der Behandlung erhalten werden kann. Die Verwendung von speziellen Instrumenten oder Behandlungsverfahren, wie sie in besonderen Fällen zum Einsatz kommen, wird jedoch nicht von den Krankenkassen übernommen. Diese müssen als Eigenleistung bezahlt werden, welche sich auf bis zu 500€ belaufen kann.

 

Fazit

Die Wurzelbehandlung ist ein modernes und gut erforschtes Verfahren, um einen toten Zahn zu erhalten. Sie wird leider dann nötig, wenn sich durch mangelnde Mundhygiene Karies an den Zähnen bildet, welche sich bis auf den Zahnnerv durch den Zahn frisst. Sobald der Nerv dann zerstört ist, stirbt auch der gesamte Zahn.

Glücklicherweise kann die moderne Zahnmedizin den toten Zahn so erhalten, dass er ganz normal nutzbar bleibt. Damit es aber gar nicht erst zu einer Wurzelbehandlung kommen muss, empfehlen wir Ihnen, dass Sie sich regelmäßig und sorgfältig der Zahnpflege widmen. Sie ist der Grundstein Ihrer Zahngesundheit und kann Ihnen viel Kummer ersparen. 

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Dr. Philipp Raab, Dr. Dimitrios Papavasileiou
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